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Dort, wo heute noch die Fähre “Tanja” das Amt Neuhaus (rechtselbisch; Landkreis Lüneburg) mit Neu Darchau (linkselbisch, Landkreis Lüchow-Dannenberg) verbindet, könnte in einigen Jahren eine gigantische Elbbrücke gebaut werden. Geplant wird sie seit über 20 Jahren! Trotz übermäßig hoher Kosten, trotz übermäßiger Naturzerstörung und trotz übermäßiger Belastungen für den Ort Neu Darchau. Die Bürgerinitiative Ja zur Fähre – Nein zur Brücke kämpft seit über zehn Jahren gegen das unsinnige und überflüssige Verkehrsprojekt.

Allerdings wurden bereits mehrere Planungsversuche gerichtlich gestoppt, beziehungsweise konnten aufgrund von Konflikten mit FFH-Richtlinien der EU gar nicht erst in Angriff genommen werden. Im Kreis Lüchow-Dannenberg, vor allem in Neu Darchau selbst, stößt der Plan, eine Elbbrücke zu bauen, auf Kritik, da man ein starkes Anwachsen des Durchgangsverkehrs befürchtet. Die Bürgerinitiative Ja zur Fähre – Nein zur Brücke fordert, die Pläne zum Bau der Elbbrücke im öffentlichen Interesse zu stoppen. Sie fordert stattdessen eine sofortige Hilfe für die Menschen im Amt Neuhaus durch Verlängerung der Fährzeiten und durch Subventionierung der Fahrpreise, so wie dies bei der Fähre in Bleckede schon seit Jahren geschieht.

Die Kosten für die Brücke wurden 1999 mit 21 Mio. Euro kalkuliert und werden jetzt für das gesamte Bauwerk grob auf 45 Millionen Euro veranschlagt. Eine genauere Berechnung liegt noch nicht vor, weil der Landkreis Lüneburg noch kein Ingenieurbüro mit der konkreten Planung beauftragt hat. Es ist aber mit weiteren Kostensteigerungen zu rechnen! Beispiele wie Elbphilharmonie, Berliner Flughafen und Autobahn A 39 zeigen dies überdeutlich.

Wie hoch die Bau- und Planungskosten tatsächlich ausfallen würden, hängt von vielen Einflussfaktoren ab, insbesondere von der Entwicklung des Stahlpreises, den genauen geologischen Verhältnissen bei der Gründung der Brücke sowie zu erwartenden Klagen von Anwohnern und Verbänden. Wegen dieser Unwägbarkeiten besteht das Risiko, dass die Bau- und Planungskosten deutlich höher ausfallen könnten.

Elbtalaue bei Neu DarchauDenn unabhängig von der Frage, ob sich ein so großes Bauwerk im sensiblen Gebietsteil C des Biosphärenreservats überhaupt rechtssicher planen lässt, steht die Finanzierung weiter auf tönernen Füßen. Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt fürchtet ein Fass ohne Boden. Deshalb sagt er: “Ja, der Landrat steht hinter dem Brückenbau. Voraussetzung ist allerdings, dass der Anteil des Landkreises nicht mehr als neun Millionen Euro plus Altlasten in Höhe von einer Million Euro … beträgt.” Das Land hat bislang 1,3 Millionen Euro zugesagt, der Bund soll 75 Prozent beisteuern. Finanzielle Reserven gibt es nicht, zudem wiederholt der Sozialdemokrat eine bereits im letzten rot-grünen Gruppenvertrag verankerte Forderung: “Weitere Voraussetzung ist, dass der Landkreis Lüneburg nicht für die Folgekosten aufkommen muss.” Politischer Wille des Landrates Manfred Nahrstedt ist also ein maximaler Eigenanteil von 10 Millionen Euro. Bei einer Bausumme von 48 Millionen Euro wäre dieser Eigenanteil des Landkreises Lüneburg erreicht, wobei das Risiko einer weiteren Kostenerhöhung allein beim Landkreis liegen und zu einem höheren Eigenanteil führen würde.

Doch gerade letzteres ist ein wesentlicher Knackpunkt. Damit der Landkreis Lüneburg (und nicht das Land Niedersachsen) die Brücke überhaupt planen darf, sind in einem von Gegnern der Brücke als “unseriös” bezeichneten Verfahren die jeweiligen Zubringerstrecken von Landes- zu Kreisstraßen herabgestuft worden. Damit sind die Kreise Lüneburg am rechten und Lüchow-Dannenberg am linken Elbufer Träger der Straßen – und die Lüneburger der sie verbindenden Brücke. Die Folge-, sprich Bauunterhaltungskosten, zahlen die Träger, nicht das Land. Diese baulichen Unterhaltungskosten werden auf Dauer mit jährlich einem Prozent der Bausumme veranschlagt – also nach derzeitiger Lage mit jährlich circa 450 000 Euro. Kostenrisiko und Unterhaltung kann der Landkreis Lüneburg finanziell nicht verkraften, denn das Geld würde für andere Vorhaben im ganzen Landkreis nicht mehr zur Verfügung stehen.

Keine Elbbrücke in Neu Darchau

Ein regionalwirtschaftliches Gutachten gibt unter anderem Auskunft über wirtschaftliche Auswirkungen (auch auf den Arbeitsmarkt) und Pendlerverflechtungen. Das Ergebnis: Wie zu erwarten entfällt mit dem Bau der Brücke die Barrierewirkung der Elbe. Wirtschaftlich profitiert davon besonders stark die Gemeinde Amt Neuhaus. “Die Vorteile für andere Kommunen in der Region stehen jedoch deutlich dahinter zurück”, sagte Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer.

Im städtebaulichen Gutachten sind hingegen die Folgen für die Orte Neu Darchau und Katemin unter die Lupe genommen worden – negative wie Verkehrs- und Lärmbelästigung sowie das Durchschneiden landwirtschaftlicher Flächen, aber auch positive wie erhoffte Gewerbeansiedlungen und potenzielle neue Baugebiete. Grundlage sind eine repräsentative Befragung von Einwohnern und jeweils ein Workshop mit dem Gemeinderat und mit den Gewerbetreibenden.

Im Vergleich der Trassenvarianten kristallisieren sich nach offizieller Lesart zwei als gleichwertig heraus, von denen aber nur eine gebaut werden darf. Dabei schneidet die bereits vom Landkreis Lüneburg favorisierte Trasse mit am besten ab. Die Straße führt zunächst um den Ortskern des Ortsteils Neu Darchau, zerschneidet dann den Ortsteil Katemin und trifft schließlich auf die Landesstraße nach Walmsburg. Die Bürgerinitiative moniert, dass diese Planung nicht der in der Brückenvereinbarung zwischen Gemeinde und Kreis vereinbarten Ortsumgehung entspreche, da Katemin und Neu Darchau fast nahtlos ineinander übergehen. Die geplante Trasse ist eben keine Ortsumgehung sondern das genaue Gegenteil: Ene Zerschneidung eines im Bebauungsplan der Gemeinde Neu Darchau eingetragenen Wohngebiets.

Wegen der Brückenvereinbarung scheidet denn auch die zweite der von den Gutachtern ausgemachten beiden besten Trassenvarianten von vornherein aus. Die Streckenführung direkt durch den Neu Darchauer Ortskern. “Untersucht haben wir die Variante trotzdem, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein”, sagte der Erste Kreisrat.

Die verkehrliche Verbindung wird heute durch zwei Fähren bei Bleckede und Neu Darchau dargestellt. Sie sind eine touristische Attraktion für die Region. Im Falle des Brückenbaus würde die Fähre „Tanja“ nicht weiter betrieben, und auch die Zukunft der Fähre in Bleckede ist ungewiss.

Seit 2007 wird ein neues Planungsverfahren durchgeführt. Der Landkreis Lüneburg hat als Planungsbehörde verschiedene Gutachten in Auftrag gegeben:

Das Verkehrsgutachten zeigt die Veränderung der Verkehre für den Fall des Baus einer Elbbrücke in Neu Darchau auf. Auf einer Elbbrücke Darchau / Neu Darchau würden täglich circa 3200 bis 3400 Fahrzeuge pro Tag fahren, davon rund 700 schwere Lastwagen, die auch die anderen Kreisstraßen belasten würden. Die jetzige Fährverbindung wird von insgesamt nur etwa 700 Fahrzeugen benutzt.

Argumente für Bewohner des LKr LüneburgDie Elbquerung in Neu Darchau liegt im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue. Entlang der Elbe liegen Schutzgebiete der höchsten Kategorie C und diverse weitere Schutzgebiete, insbesondere Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebiete. Durch die neue – und nur so genannte – “Ortsumgehung” von Neu Darchau würde der Ortsteil Katemin und ein siedlungsnahes Schutzgebiet der Kategorie C durchschnitten.

In einer Umweltverträglichkeitsstudie und FFH-Verträglichkeitsuntersuchung wurden die Auswirkungen einer Elbbrücke einschließlich der nur so genannten “Ortsumgehung” von Neu Darchau auf die Tier- und Pflanzenwelt untersucht. Im Ergebnis ist eine umweltverträgliche – das heißt legal realisierbare – so genannte “Ortsumgehung” überhaupt nur dann möglich, wenn massive Schutzmaßnahmen ergriffen und erhebliche Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt werden.

Die Schalluntersuchung hat die Veränderung der Verkehrsführung und des -aufkommens dargestellt. Danach wären die Lärmbelastungen rechnerisch – und nur rechnerisch! – für die Anwohner verträglich. Auch dies allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Schutzmaßnahmen ergriffen würden.