Lüchow lehnt Planung ab

Eisgang könnte Neu Darchau gefährdenDamit hatte niemand gerechnet: Mit deutlicher Mehrheit hat der Kreistag des Landkreises Lüchow-Dannenberg die landesplanerischen Feststellungen des mit der Planung der Neu Darchauer Elbbrücke beauftragten Landkreises Lüneburg abgelehnt. Nach monatelangem Schweigen haben nun alle Parteien außer der CDU Sorge, dass die Brückenpfeiler bei Eisgang die Abflussgeschwindigkeit verringern könnte. In einer kürzlich im Kreistag diskutierten Stellungnahme begründete Kreisbaurätin Maria Schaaf die Bedenken.

„Ich möchte (…) noch einmal darauf hinweisen, dass seitens des Landkreises Lüchow-Dannenberg nach wie vor grundsätzliche wasserwirtschaftliche Bedenken bzgl. des gewählten Brückenstandortes bestehen, die ich an dieser Stelle auch gerne noch einmal ausführlich darlege:

Das Raumordnungsverfahren zum Neubau einer Elbebrücke an der Engstelle Neu Darchau ist aus wasserwirtschaftlicher Sicht eine problematische Festlegung, weil die Risiken für eine nachteilige Veränderung der Strömungsverhältnisse in einem Winterhochwasser mit Eisgang nicht kalkulierbar sind. Eine Beeinträchtigung des Abflussprofiles durch den Bau der Brücke besteht grundsätzlich, weil die erforderlichen Brückenpfeiler nun mal im Abflussprofil stehen und als festes Hindernis wirken.

Bereits ohne eine Brücke hat es im Winter 1978/79 an dieser Stelle einen Eisversatz gegeben, obwohl zu dieser Zeit ein freies Vorland vorhanden war und somit auch kein störender Bewuchs zusätzlich als Abflusshindernis gewirkt hat. Durch die bei der EU angezeigten Rückschnittmaßnahmen von LRT – Flächen unterhalb von Neu Darchau sollten die Abflussverhältnisse verbessert werden, weil sich an dieser Engstelle, nachweislich durch die Gehölzentwicklung der zurückliegenden 20 Jahre, erhebliche Veränderungen in der Abflussgeschwindigkeit ergeben haben und im Untersuchungsbericht des Ing.-Büro Schwerin (IBS) vom Januar 2004 eine Wasserspiegellagenerhöhung von 49 cm ermittelt worden ist.. Ein Brückenbau an dieser Stelle würde daher ein zusätzliches Hindernis sein und könnte sich negativ auf die Wasserspiegellage nach Oberstrom auswirken.

In den Untersuchungen, der nach dem Eishochwasser 1888 eingesetzten Elbekommission, wurde bei der Beantwortung der im allerhöchsten Erlass vom 28. Februar 1892 gestellten Frage B: „Welche Maßregeln können angewendet werden, um für die Zukunft der Hochwassergefahr und den Überschwemmungsschäden soweit wie möglich vorzubeugen ?“, für das Elbegebiet, in Absatz II. Technische Maßregeln, alle möglichen und erforderlichen Maßnahmen aufgeführt, die zu einer Verbesserung des Abflussverhaltens führen können. Der Bau einer Brücke an einer Engstelle schließt sich damit eigentlich aus.

Auf die Engstelle Darchau wird auch in dem Generellen Regulierungsprojekt des Hochwasserbettes der Elbe, aufgestellt von der Elbstromverwaltung Magdeburg vom 24. November 1902, eingegangen und wurden Abgrabungen in diesem Bereich geplant., Damit wird ebenfalls eindeutig auf diese Engstelle hingewiesen, so dass mit dem geplanten Brückenbau an dieser Stelle eher das Gegenteil von den damals für notwendig erachteten Maßnahmen realisiert werden soll.

Aus den Berechnungen des Ing.- Büro Pöyry vom 10.05.2012 geht ebenfalls hervor, dass sich die Strömungsgeschwindigkeiten bereits zum damaligen Zeitpunkt im Bereich des Vorlandes negativ entwickeln, d. h. die Fließgeschwindigkeiten nehmen ab, so dass in den Bereichen der geplanten Vorlandpfeiler, durch die Reduzierung der Strömungsgeschwindigkeit, eine höhere Wahrscheinlichkeit besteht, dass sich in diesem Bereich Barrieren bilden können.

Die Problematik eines unkontrollierten Eisstandes mit den nicht mehr kalkulierbaren Entwicklungen hat sich jüngst erst im Winter 2013 gezeigt, als durch den Eisstau oberhalb von Geesthacht ein schneller und sprunghafter Anstieg des Elbewasserstandes erfolgte. Durch den Aufstau und der daraus resultierenden Zunahme des Strömungsdruckes hat sich dann der ca. 40 Kilometer lange Eisteppich in Bewegung gesetzt und sich von alleine aufgelöst. Der dafür erforderliche Strömungsdruck wird durch jedes bauliche Hindernis erhöht und führt daher zwangsläufig auch zu einem weiteren Anstieg der Wasserspiegellagen nach oberhalb. Mit dem geplanten Brückenbau in Neu Darchau steht dann dem Hauptabfluss nur noch der Bereich zwischen den Hauptpfeilern, in einer Breite von 205 Metern, zur Verfügung, weil auf den Vorländern durch den Bewuchs und den Geländehöhen kein wesentlicher Abfluss mehr zu erwarten ist.

Aufgrund der Literaturrecherche und der Auswertung der letzten großen Hochwasserereignisse ist aus wasserwirtschaftlicher Sicht die Brückenplanung an diesem Standort nach wie vor als sehr bedenklich einzustufen. Um diese Bedenken zu prüfen, rege ich nochmals an, die Stömumgsverhältnisse mit und ohne Brückenbauwerk in diesem Abschnitt über das 2-D-Modell des Bundesamtes für Gewässerkunde abbilden zu lassen.“

Die Stellungnahme im Wortlaut