Argumente für Lüneburger

Auch wenn es hier um eine Brücke im Lüchow-Dannenberger Ort Neu Darchau geht: Bei Realisierung der Pläne hätten die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Lüneburg die Hauptlast zu tragen. Jeder Euro, der in das Projekt Elbbrücke gesteckt würde, würde an anderen Stellen zur Sanierung von Kreisstraßen, Schulen oder Freizeiteinrichtungen fehlen. Und wir reden hier immerhin von zehn Millionen Euro …

Die Realisierung der Elbbrücke würde den Steuerzahler nach offiziellen Angaben 45 Millionen Euro kosten. Wer aber heute mit 55 bis 60 Millionen Euro rechnet, schätzt durchaus realistisch. Eine teure Rollbahn für mautflüchtige LKW, die die Strecke über Neu Darchau als Alternative zu den mittlerweile gesperrten Bundesstraßen B4 / B209 und der B5 bei Lauenburg nutzen könnten.

Die Brücke würde alle Bürger im Landkreis Lüneburg über Gebühr belasten. Nicht nur sollen sie zehn Millionen Euro aus Mitteln des Landkreises beisteuern, sondern womöglich auch noch die Unterhaltungskosten tragen – weitere rund 900 000 Euro pro Jahr. Jeweils Geld, das für die Sanierung von Schulen und Straßen, für Freizeit- und Kultureinrichtungen in den Gemeinden fehlen würde.

Aus „gutem Grund“ tauchen sämtliche Kosten für die Elbbrücke – auch die oben genannten zehn Millionen plus die jährlichen Unterhaltungskosten – in den so genannten Zukunftsverträgen der Landkreise Lüneburg und Lüchow-Dannenberg nicht auf. Diese Kosten könnten am Ende dafür verantwortlich sein, dass keiner der beiden Landkreise in den Genuss der von Hannover in Aussicht gestellten Tilgung von 75 Prozent der angehäuften Schulden kommt. Käme es so, würden sich die Kosten für die Bewohner beider Landkreise quasi verzigfachen!

Wirtschaftlichkeit

Die Elbbrücke wäre wirtschaftlich blanker Unsinn. Als bisher einzigem Projekt wurde dies durch den Bund der Steuerzahler schon vor Baubeginn bestätigt. Die Brücke kostete mehr als sie jemals nützen würde. Und dabei sind Kostensteigerungen noch gar nicht eingerechnet …

Die fehlende Wirtschaftlichkeit unterstreicht auch Dr. Matthias Gather, Professor für das Fachgebiet Verkehrspolitik und Raumplanung an der Fachhochschule Erfurt: „Hinsichtlich der Langfrist-Effekte geht es (…) um einen Placebo-Effekt. Die Unternehmen fordern: ,Tut was für uns‘. Und die Politik weiß keinen anderen Rat, als in die Straßeninfrastruktur zu investieren, um wirtschaftliche Probleme in den Regionen zu lösen. Irgendwann ist die Straße fertig, doch die meisten Strukturprobleme hat man dadurch nicht behoben.“

Die zuständigen Planer und Politiker geben zu, dass die Dömitzer Brücke, die seit zwanzig Jahren die arme Kleinstadt Dannenberg mit der noch ärmeren Kleinstadt Dömitz verbindet, bis heute keinen Nutzen für beide hatte. Es ist offen ersichtlich, dass der Nutzen einer weiteren Elbbrücke nur einige Kilometer stromabwärts gleich Null wäre.

Einen Bedarf für die Brücke gibt es nicht, denn die heutige Fähre transportiert pro Tag nur etwa 700 Fahrzeuge. Ausgelastet ist sie nur zwischen 6.00 und 9.00 Uhr und zwischen 15.00 und 19.00 Uhr. In den übrigen Zeiten fährt sie in der Verlustzone. Staus am Anleger gibt es nicht.

Dass es kein öffentliches Interesse an der Elbbrücke gibt, zeigt auch die Tatsache, dass keine Kosten-Nutzen-Analyse erstellt wurde, die sonst nämlich gesetzlich vorgeschrieben wäre. Vielmehr ist es im öffentlichen Interesse, eine unsinnige Geldausgabe zu stoppen und die Pläne zum Bau der Elbbrücke zu beerdigen.

Verkehr

Nach Fertigstellung der Brücke und in Verbindung mit den geplanten Autobahnen A 39 (Lüneburg – Wolfsburg) und A 14 (Schwerin – Magdeburg) müsste mit der sechsfachen Menge Verkehr auf der Elbquerung und in den umliegenden Orten des Landkreises Lüneburg gerechnet werden. Das geht aus der Verkehrsuntersuchung der Gesellschaft für Verkehrsberatung und Systemplanung hervor.

Als sicher gilt aber inzwischen, dass die Belastung noch wesentlich höher ausfallen dürfte und insbesondere der Schwerlastverkehr überall in den Landkreisen Lüneburg und Lüchow-Dannenberg ansteigen würde, denn die Elbbrücke würde den Speditionen eine Alternative zu den mittlerweile gesperrten Bundesstraßen B4 / B209 und der B5 bei Lauenburg werden. Sollte dann noch der Salzstock Gülze / Sumte im Amt Neuhaus Atomendlager werden, kämen gar noch Atomtransporte hinzu.

Entkräftung der Behauptungen des Förderverein Brücken bauen

Dieser behauptet, der Fährdienst würde um 21 Uhr eingestellt. Das stimmt aber nicht: Die Fähre in Bleckede setzt bis 23 Uhr über den Fluss. Später ist ohnehin kaum noch jemand unterwegs!

Auch die Behauptung, dass mehr Menschen das Amt Neuhaus verlassen als die Region auf der Westseite der Elbe, entbehrt jeder Grundlage: Die Bevölkerungsentwicklung ist im ganzen Ostteil des Kreises Lüneburg und im gesamten Kreis Lüchow-Dannenberg rückläufig. Mit der Elbe hat das nichts zu tun.

Es wird weiterhin behauptet, dass die Brücke der Land- und Forstwirtschaft durch verringerte Treibstoff- und Personalkosten jährlich 100 000 Euro sparen könnte. Auch eine Reduzierung der CO2-Belastung werde durch die Brücke erreicht. Natürlich ist die kürzeste und damit günstigste Verbindung zweier Punkte immer eine Gerade, aber so ist die Welt nun einmal nicht. Würden alle Bürgerinnen und Bürger und alle Unternehmen so denken, bestünde Deutschland bald aus einer riesigen Asphaltfläche, weil jeder seinen Weg von A nach B nur noch auf einer Geraden zurückzulegen wünschte. Im Übrigen ist in der Kalkulation der Brücken-Lobby nicht eingerechnet, welche Mengen an Treibstoff und CO2 beim Bau und beim Unterhalt der Brücke verbraucht bzw. produziert würden. Die Berechnung ist einseitig und damit falsch!

Das gilt auch für die Darlegung der volkswirtschaftlichen Kosten. Dort werden die jährlichen Kosten nach Bau der Brücke zu niedrig angesetzt. Demgegenüber werden zum Vergleich Fährkosten gestellt, die entstünden, wenn im Jahr 2025 eine Anzahl von Fahrzeugen die Fähren nutzen würde, wie sie nur mit der Brücke zu erwarten ist. Da werden Äpfel mit Birnen verglichen, aber das ist faul!

Auch die Behauptung der Kartoffelbauern, dass ihnen durch die Fährkosten erhebliche Nachteile entstünden, ist ungerechtfertigt: Alle Landwirte haben sich bewusst für eine Verwertung ihrer Speisekartoffeln in einem Veredelungsbetrieb entschieden und gegen die Verwertung ihrer Früchte als reine Speisekartoffeln (was in Uelzen möglich wäre) und gegen den Anbau von Stärkekartoffeln (Verwertung in Lüchow). Sie haben sich trotz der Fährkosten für die Verwertung in Hagenow entschieden und sogar langfristige Verträge abgeschlossen. Es gäbe die oben genannten Alternativen, aber die Landwirte liefern trotzdem nach Hagenow. Es scheint sich also zu lohnen.

Die Aussage der Brückenbefürworter, nur durch eine feste Elbquerung könne die Deutsche Einheit vollendet werden, ist Polemik, die auf die Tränendrüse zielt: Selbstverständlich ist die deutsche Einheit ein knappes Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung längst Realität – auch und gerade im Amt Neuhaus. Wo es bislang noch Mängel gibt, da würden diese auch durch eine Brücke nicht behoben werden können.

Fazit

Die Brückenpläne zu beerdigen und den Menschen durch verbesserte Fährangebote in Bleckede und Neu Darchau zu helfen hätte schon vor Jahren geschehen müssen. Ein Stopp der Pläne zum Bau der Elbbrücke ist im öffentlichen Interesse.

Weitere Infos
Stimmzettel zur Bürgerbefragung im Januar 2013 Dateigröße: 20 kB
Merkblatt zur Bürgerbefragung im Januar 2013 Dateigröße: 180 kB
Wer die Brücke will, muss auf Anderes verzichten