Argumente für Neu Darchauer

Weil die Zufahrt zur geplanten Brücke entweder auf der Hauptstraße von Neu Darchau verlaufen oder aber dicht am Ort vorbei und dann mitten durch den nahtlos angrenzenden Ortsteil Katemin führen soll, ist der Ort am Westufer der Elbe in besonderem Maße betroffen. Hier haben wir die Argumente zusammengestellt, die insbesondere aus Neu Darchauer Sicht eine Roille spielen:

Die Elbbrücke wäre wirtschaftlich blanker Unsinn. Als bisher einzigem Projekt wurde dies durch den Bund der Steuerzahler schon vor Baubeginn bestätigt. Die Brücke kostete mehr als sie jemals nützen würde. Und dabei sind Kostensteigerungen noch gar nicht eingerechnet …

Die fehlende Wirtschaftlichkeit unterstreicht auch Dr. Matthias Gather, Professor für das Fachgebiet Verkehrspolitik und Raumplanung an der Fachhochschule Erfurt: „Hinsichtlich der Langfrist-Effekte geht es (…) um einen Placebo-Effekt. Die Unternehmen fordern: ,Tut was für uns‘. Und die Politik weiß keinen anderen Rat, als in die Straßeninfrastruktur zu investieren, um wirtschaftliche Probleme in den Regionen zu lösen. Irgendwann ist die Straße fertig, doch die meisten Strukturprobleme hat man dadurch nicht behoben.“

Die zuständigen Planer und Politiker geben zu, dass die Dömitzer Brücke, die seit zwanzig Jahren die arme Kleinstadt Dannenberg mit der noch ärmeren Kleinstadt Dömitz verbindet, bis heute keinen Nutzen für beide hatte. Es ist offen ersichtlich, dass der Nutzen einer weiteren Elbbrücke nur einige Kilometer stromabwärts gleich Null wäre.

Der Ort Neu Darchau, der Yachthafen, der Campingplatz, die Fähre und das Lokal „Göpelhaus” sind Ausflugs- und Urlaubsziele, die beim Bau der Brücke ihre Attraktivität verlören. Es würden Steuereinnahmen und Arbeitsplätze in der Gemeinde verloren gehen. Auch die Fähre in Bleckede würde den Betrieb einstellen und keine Einnahmen für den Ort mehr erwirtschaften.

Einen Bedarf für die Brücke gibt es nicht, denn die heutige Fähre transportiert pro Tag nur etwa 700 Fahrzeuge. Ausgelastet ist sie nur zwischen 6.00 und 9.00 Uhr und zwischen 15.00 und 19.00 Uhr. In den übrigen Zeiten fährt sie in der Verlustzone. Staus am Anleger gibt es nicht.

Selbst ein 2011 von der Planungsagentur Georg & Ottenströer angefertigtes Gutachten kommt zu dem Schluss, dass die Elbbrücke für Neu Darchau gar keine und für Berufspendler aus dem Amt Neuhaus nur minimale Verbesserungen bringen würde. Verbesserungen, die auch durch Veränderungen der Fährzeiten und -preise erreicht werden könnten.

Dass es kein öffentliches Interesse an der Elbbrücke gibt, zeigt auch die Tatsache, dass keine Kosten-Nutzen-Analyse erstellt wurde, die sonst nämlich gesetzlich vorgeschrieben wäre. Vielmehr ist es im öffentlichen Interesse, eine unsinnige Geldausgabe zu stoppen und die Pläne zum Bau der Elbbrücke zu beerdigen.

Verkehr

Nach Fertigstellung der Brücke und in Verbindung mit den geplanten Autobahnen A 39 (Lüneburg – Wolfsburg) und A 14 (Schwerin – Magdeburg) müsste mit der sechsfachen Menge Verkehr auf der Elbquerung und in den umliegenden Orten gerechnet werden. Das geht aus der Verkehrsuntersuchung der Gesellschaft für Verkehrsberatung und Systemplanung hervor.

Durch Hochwasser, Eisgang und Wartungsarbeiten fällt die Fähre im Durchschnitt nur etwa fünf Wochentage pro Jahr aus. Die Überfahrt dauert fünf Minuten – mit Wartezeit im ungünstigsten Fall eine Viertelstunde. Die Schäden durch den Bau der Brücke stehen dazu in keinem Verhältnis.

Ökologie und Lärm

Neu Darchau liegt in der ökologisch hochsensiblen und wegen ihrer Ruhe äußerst wichtigen Elbtalaue. Es ist einer der ganz wenigen verbliebenen Orte, an denen man die Elbe hautnah, in „Augenhöhe” und ohne Deich erleben kann. Eine Brücke würde dieses Kleinod zerstören.

Die geplante Trasse der Brückenzufahrt läuft durch das UNESCO-Biosphärenreservat Elbtalaue und durch ein FFH-Gebiet. Diese von der EU bestimmten Flora-Fauna-Habitat-Gebiete genießen (eigentlich) den höchstmöglichen Schutz.

Die Ruhe und der Wohn- und Lebenswert des Ortes Neu Darchau und der umliegenden Dörfer wäre für immer dahin, eine erhöhte Verkehrsgefährdung und eine dauerhafte Verlärmung (auch nachts!) durch Transitverkehr in den Ortschaften die Folge.

Die Meinung vor Ort

Die Bürgerinnen und Bürger des Ortes Neu Darchau bewerten die Risiken durch Bau der Elbbrücke bei weitem höher als die Chancen. Das hat eine Bürgerbefragung im Auftrag der Planungsbehörde im Sommer 2011 ergeben. Satte 85 Prozent der Befragten befürchten mehr Verkehr und Lärm im Ort und in den umliegenden Dörfern. Eine Einschätzung, die auch durch das Verkehrsgutachten der Gesellschaft für Verkehrsberatung und Systemplanung gestützt wird. Weit mehr als Dreiviertel (82%) aller Bürgerinnen und Bürger geht davon aus, dass Neu Darchau die Fähre als touristische Attraktion und Einnahmequelle verlieren wird, jeweils rund 60 Prozent befürchten eine Zerstörung des Orts- und Landschaftsbildes (61%) und der Umwelt (59%). Immer noch mehr als die Hälfte aller Befragten (55%) ahnt, dass sich die Brücke negativ auf den Wohnstandort Neu Darchau auswirken wird.

Fazit

Die Brückenpläne zu beerdigen und den Menschen durch verbesserte Fährangebote in Bleckede und Neu Darchau zu helfen hätte schon vor Jahren geschehen müssen. Ein Stopp der Pläne zum Bau der Elbbrücke ist im öffentlichen Interesse.

Weitere Infos
Änderung des Verkehrsaufkommens Sommer 2011, Dateigröße: 220 kB